
Es gibt Menschen, die man nur erreichen kann, wenn man das weite Meer überquert. Für Naru aus 'Musamanrihaeng' ist diese Person nur eine: Prinzessin Sodan. Um das 2. Jahrhundert herum ist Naru ein Krieger des Gori-Staates im Mahan-Bund, der seit seiner Kindheit geschworen hat, die Prinzessin zu beschützen. Er kämpft an vorderster Front, ohne Ruhm zu begehren, und beginnt alles, was die Prinzessin sagt, mit einem "Ja". In der heutigen Zeit würde man ihn vielleicht als "naiv" bezeichnen, aber in jener Zeit galt dies als Tugend.
Doch durch den Verrat seines vertrauten Lehrers fällt der Gori-Staat über Nacht, und die Prinzessin wird gefangen genommen und in den Westen verkauft. Wie Frodo in 〈Der Herr der Ringe〉, der den Ring zerstören muss, hat auch Naru nur ein Ziel. Die Hauptstadt brennt, seine Gefährten sind zerstreut, und das Einzige, was Naru bleibt, ist das Versprechen, die Prinzessin zu finden. Dieses Versprechen treibt ihn bis ans andere Ende der Welt.
Naru verfolgt den Verräter und hört Gerüchte, dass dieser weiter nach Westen, in den Westen, gegangen ist. Das ist, als würde man von Seoul nach London zu Fuß gehen. In einer Zeit, in der es weder Flugzeuge noch richtige Kompasse gab. Dennoch zögert Naru nicht. Als wäre dies die letzte Richtung, die ein Krieger eines verlorenen Landes einschlagen kann, wendet er dem Land Gori den Rücken zu und begibt sich auf den endlosen Weg nach Westen.
Doch für einen Krieger, der am Rande der koreanischen Halbinsel nur mit einem Schwert gelebt hat, ist der Westen eine völlig fremde Welt. Sprache, Essen, Götter – alles ist anders. Wenn Sie an die Abenteuer von 〈Indiana Jones〉 gedacht haben, liegen Sie falsch. Hier gibt es keine bequemen Karten, keine freundlichen Führer, keine englischen Dolmetscher. Am Ende dieser Fremdheit landet Naru schließlich in Rom und sieht sich selbst mit einem eisernen Halsband inmitten des Sklavenmarktes des riesigen Imperiums herausgeführt. Der Ritter, der die Prinzessin retten wollte, wird zum Sklaven – das ist der wahre Beginn von 'Musamanrihaeng'.

Die Arena, oder das antike Deathmatch
Naru wird bald als Gladiatorensklave in Rom verkauft. Ohne Namen und Status wird er wie ein "Tier aus dem Osten" behandelt. Wie Maximus in 〈Gladiator〉, der vom General zum Gladiator herabgestuft wird, wird auch Naru vom Krieger seines Landes zur Attraktion des Imperiums degradiert. In einem unterirdischen Gefängnis aus Stein und Eisen, in der Luft, die von Fäulnis und Blutgeruch durchdrungen ist, muss Naru täglich Schwert und Schild erheben. Sein Publikum sind nicht mehr die Menschen des Gori-Staates, sondern die blutdurstigen Bürger Roms.
In der Mitte der sandbedeckten Arena, wenn das eiserne Tor sich öffnet, stürmen brüllende Bestien und bewaffnete Gladiatoren gleichzeitig heraus. Es ist, als hätte man die Arena von 〈Die Tribute von Panem〉 ins antike Rom verlegt. Naru bewegt sich mit einem tierischen Überlebensinstinkt. Ein Kampf, bei dem man stirbt, wenn man nicht tötet. Doch selbst inmitten dieses Kampfes richtet sich die Spitze seines Schwertes immer in eine Richtung. "Ich muss diesen Kampf überleben, um die Prinzessin wieder zu finden." Ein wahrhaft zielstrebiger Mensch.
In der Arena trifft Naru auf viele Gefährten und Feinde und verliert sie. Sklaven, die aus verschiedenen Gründen das Schwert ergriffen haben, werden seine Verbündeten, nur um in der nächsten Runde als Feinde aufzutauchen. Einige kämpfen, um Geld an ihre Familien zu schicken, andere, um ihre Freiheit zurückzukaufen, und wieder andere, weil sie einfach nicht sterben wollen. Wie die Teilnehmer von 〈Squid Game〉 treibt ihre Verzweiflung sie in die Arena.
Auch unter den Römern gibt es unterschiedliche Gesichter. Es gibt Adlige, die Sklaven nur als Verbrauchsmaterial sehen, aber auch Generäle, die in den Gladiatoren echte Krieger erkennen und respektieren. Inmitten dieses fremden Imperiums lebt Naru mit zwei Gesichtern: als "Krieger des Gori-Staates" und als "römischer Sklaven-Gladiator". Es ist keine Spaltung der Identität, sondern eine Erweiterung der Identität.
Das Monster aus dem Osten, oder die Unterhaltung des Imperiums
Im Laufe der Geschichte verbreitet sich Narus Name in ganz Rom. Das Gerücht, dass ein Krieger aus dem Osten riesige Gladiatoren besiegt und Bestien mit bloßen Händen bezwingt, beginnt sich unter Händlern, Adligen und Soldaten in der Stadt zu verbreiten. In der heutigen Zeit könnte man sagen, dass die Schlagzeile "Ostasiatischer Gladiator erobert das Kolosseum" auf dem römischen Portal erschienen ist. Einige wollen mit ihm Geld verdienen, andere wollen ihn als Spielzeug des Kaisers benutzen.

Narues Kampf geht über ein persönliches Gelübde hinaus und wird in die Unterhaltung und Politik des Imperiums verwickelt. Wie Truman in 〈Die Truman Show〉 wird sein Leben selbst zum Spektakel. Und schließlich wird er in das Herz Roms gedrängt, um vor den Augen des Kaisers zu kämpfen. Was für ein Schlachtfeld Naru danach erwartet, wie seine Verbindung zu Prinzessin Sodan weitergeht und welches Ende seine Reise nimmt, ist am besten direkt im Werk zu verfolgen. Die letzten Szenen dieses Werkes hinterlassen eine Art Nachhall, der sich nicht in ein paar Zeilen Spoiler erklären lässt. Wie die letzte Szene von 〈Der Soldat James Ryan〉, in der die Emotionen in einem Schlag explodieren.
Der Zusammenstoß zweier Welten, oder der Kontrast der Zivilisationen
Auch das Weltbild ist faszinierend. Es ist die Struktur, in der die koreanische Antike des Gori-Staates und die westliche Antike des Römischen Reiches auf einem Bildschirm zusammentreffen. Eine Kombination, bei der man sich fragt, "Kann das funktionieren?", die aber tatsächlich ziemlich überzeugend umgesetzt wird. Der Autor beginnt mit Szenen, die an die Landschaften, Palisaden, Strohhütten und engen Stadttore des Gori-Staates erinnern, und zeigt dann, als er Rom erreicht, die von der Mittelmeersonne beschienenen Marmorsäulen, das riesige Kolosseum und die von rotem Sand und weißen Togen umgebene Arena als gegensätzliche Landschaft.
Die Zeichnungen und die Inszenierung sind Gründe, warum man dieses Werk unbedingt als Webtoon sehen sollte. Wenn man nach unten scrollt, wird das hohe und tiefe Raumgefühl der Arena natürlich vermittelt. Oben murmelt das Publikum, in der Mitte prallen Gladiatoren und Bestien aufeinander, und unten ist der blutgetränkte Sand. Es ist, als hätte man das Seitenverhältnis von 〈Mad Max: Fury Road〉 vertikal gedreht.
Die Inszenierung, die eine Szene lang vertikal zieht und den Bewegungsablauf von Narus Speerwurf und Körperdrehung verfolgt, ist hervorragend. Dadurch liest man nicht Bild für Bild, sondern einen ganzen Kampf wie eine Choreografie. Die Kollisionen und Ausweichmanöver, die Spannung und das Tempo sind so gut umgesetzt, dass man selbst bei einer Sammlung von Kampfszenen sagen kann: "Das ist richtig gezeichnete Action." Es fühlt sich an, als würde man die Kampfszenen der 〈Bourne〉-Serie sehen, die ohne CGI mit den Körpern der Schauspieler gedreht wurden.
Das Imperiumssystem vs. das persönliche Gelübde
Auch erzählerisch bleibt 'Musamanrihaeng' nicht bei einer einfachen Rachegeschichte stehen. Oberflächlich geht es darum, einen Verräter zu verfolgen und die entführte Prinzessin zurückzuholen, ähnlich wie Liam Neeson in 〈Taken〉 sagt: "Ich gehe meine Tochter suchen." Doch darunter liegt die Frage: "Wie lange kann ein persönliches Gelübde im großen System des Imperiums bestehen?"
Die römischen Bürger feuern Naru an, aber letztendlich konsumieren sie sein Blut als Unterhaltung. Heute jubeln sie Naru zu, morgen jubeln sie dem Tod eines anderen Gladiators zu. Das Imperium verwandelt die Tragödie des Einzelnen immer wieder in Unterhaltung. Wie moderne Reality-Shows oder Survival-Programme, die das Leiden der Teilnehmer in Inhalte verwandeln. Wenn 〈Die Tribute von Panem〉 die römische Herrschaftstechnik "Brot und Spiele (Panem et Circenses)" in eine Dystopie umgewandelt hat, zeigt 'Musamanrihaeng' das Original.
Narues Gelübde ist in diesem System wie ein kleiner Kieselstein. Das Werk beobachtet bis zum Ende, wie groß die Wellen sind, die dieser Kieselstein erzeugen kann, oder ob er letztendlich von den Wellen abgeschliffen wird. Wie Andy in 〈Die Verurteilten〉 mit einem kleinen Hammer die Wand durchbricht, klopft auch Naru mit einem kleinen Gelübde an die Wand des Imperiums.
Auch die Charaktere sind vielschichtig gestaltet. Naru ist mehr als nur ein "Mann der Loyalität". Wegen der Schuld, die Prinzessin nicht beschützt zu haben, quält er sich selbst und bringt manchmal durch unüberlegte Entscheidungen die Menschen um ihn herum in Gefahr. Wie Batman in 〈The Dark Knight〉, der so besessen von seinen Überzeugungen ist, dass er seine Umgebung nicht sieht. Aber gleichzeitig erkennt er seine Fehler an und greift wieder zum Schwert, um voranzukommen. Kein perfekter Held, sondern ein fehlerhafter Mensch.
Auch die Gladiatorenkollegen, die er in Rom trifft, sind keine einfachen Nebenfiguren. Einige sind viel kühler als Naru und sagen: "So ist es hier eben", und lehren ihn die Realität, während andere von Narus sturer Überzeugung beeinflusst werden und sich allmählich verändern. Auch die Bösewichte werden nicht nur als "dreckige, böse Typen" konsumiert. Ihre eigenen Wünsche und Ängste werden offenbart, wodurch der gesamte Raum Rom nicht einfach in Gut und Böse unterteilt wird, sondern zu einer komplexen Welt wird. Wie in 〈Game of Thrones〉 gibt es keine vollkommen guten oder bösen Charaktere, sondern Figuren in Grauzonen.

Der Grund, warum dieses Werk derzeit von den Lesern geliebt wird, könnte darin liegen, dass es zwei gegensätzliche Gefühle gleichzeitig befriedigt. Zum einen das völlig unrealistische Vergnügen, die "Römische Expedition eines koreanischen Kriegers" zu sehen, das Gefühl, das man beim Anschauen von 〈Kingsman〉 oder 〈John Wick〉 hat. Zum anderen die sehr realistische Textur von Müdigkeit und Schmerz, die darin enthalten ist.
Wir haben bereits in vielen Level-up- und Systemwerken das Gefühl des "Stärkerwerdens" erlebt. Das Fenster mit den Statistiken öffnet sich, die Zahlen steigen, man erlangt neue Fähigkeiten. Aber 'Musamanrihaeng' zeigt die Geschichte eines Menschen, der nicht stärker wird, sondern durchhält und aushält. Und es wird nicht nur als cool dargestellt, sondern auch als extrem anstrengend und einsam. Wie 〈Rocky〉, der sich mehr darauf konzentriert, 15 Runden durchzuhalten, als auf einen glanzvollen Sieg.
Wenn Sie von den derzeit beliebten Rückkehr- und Spielsystemwerken etwas gelangweilt sind, ist dieser Webtoon eine gute Abwechslung. Wenn Sie es satt haben, dass ein einziger Schwerthieb oder eine Verletzung zu leicht konsumiert wird, werden Sie die Schwere spüren, wenn Naru auf dem Schlachtfeld getroffen wird und wieder aufsteht. Wie in der "Schwerttanz"-Spezialfolge von 〈Infinite Challenge〉, wo man den echten Schweiß und das Blut spürt. Wenn Sie einen Leser sehen möchten, der sich bis zum Ende auf ein einziges Schwert verlässt, dann ist dies genau das Richtige für Sie.
Auch für Leser, die die Atmosphäre von Geschichte und Antike mögen, ist es gut geeignet. Die exotische Kombination aus Gori-Staat und Rom ist anfangs fremd, aber bald fühlt es sich so natürlich an, dass man sich fragt: "Warum habe ich mir das nicht schon früher vorgestellt?" Wenn Sie sowohl 〈Gladiator〉 als auch 〈Der letzte Bogenschütze〉 mögen, ist diese Kombination zwar selten, aber 'Musamanrihaeng' ist ein Werk, das beide Vorlieben gleichzeitig befriedigen kann. Wie 〈Kingdom〉, das Zombies und Joseon-Historien mischt, kombiniert dieses Werk koreanische Krieger und das Römische Reich.
Schließlich wird diese Geschichte für diejenigen, die wegen eines Versprechens an jemanden durchhalten, nicht wie eine fremde Angelegenheit erscheinen. Naru ist eine Figur, die immer wieder Entscheidungen trifft, die offensichtlich zu seinem Nachteil sind. Auch wenn es einen einfacheren Weg gibt, wählt er absichtlich den längeren, schwierigeren Weg wegen eines Gelübdes, das er in seinem Herzen trägt. Wie 〈Forrest Gump〉, der einfach aus Liebe zu Jenny durch Amerika läuft, durchquert auch Naru den Kontinent, nur um die Prinzessin zu beschützen.
Diese Haltung mag frustrierend erscheinen, aber sie kann auch bewundernswert sein. Wenn Sie 'Musamanrihaeng' bis zum Ende lesen, werden Sie sich vielleicht diese Frage stellen: "Warum halte ich das alles durch, für wen oder was?" Wenn Sie diese Frage direkt erleben möchten, wird diese blutige Reise lange in Ihrem Herzen bleiben. Und wenn das nächste Mal etwas Schwieriges passiert, könnten Sie plötzlich denken: "Naru ist bis ans andere Ende der Welt gelaufen, kann ich das nicht auch schaffen?" Genau dann wird 'Musamanrihaeng' mehr als nur ein Webtoon sein, sondern eine Ihrer Stützen.

