Hast du einen Geist gesehen oder bist du ein Geist geworden? 'Der Film Gokseong'

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Die Geschichte von Na Hong-jin, die das Herz des Publikums eroberte

[magazine kave]=Choi Jae-hyeok Reporter

In einem dunklen Bergdorf in der Morgendämmerung, Nebel bedeckt das Tal und Regenwasser tropft von den Dächern. Der Polizist Jong-gu (Kwak Do-won) verlässt das Haus, geplagt von einem Kater nach übermäßigem Trinken am Vorabend. Wie gewohnt bearbeitet er familiäre Streitigkeiten und kleinere Vorfälle, plaudert mit Kollegen und es scheint, als würde ein weiterer 'lauter, aber ereignisloser' Tag im Dorf beginnen. Doch wie die erste Szene von 'Fargo' hinterlässt es nur ein unheilvolles Gefühl, dass der langweilige Alltag bald in einen Albtraum umschlagen wird. Doch ein bizarrer Mordfall, der irgendwo auf dem regennassen Bergweg geschieht, wird bald die Atmosphäre des Dorfes völlig umkrempeln. Der Täter steht blutüberströmt mit leerem Blick da, und im Haus liegen die Leichen der Familie grausam verstreut. Jong-gu empfindet diesen schrecklichen Anblick eher als 'Albtraum' denn als menschlich, versucht aber zunächst, es als das Werk eines drogenberauschten Psychopathen abzutun. Er weiß noch nicht, dass er wie Dale Cooper aus 'Twin Peaks' mitten in einem übernatürlichen Mysterium steht.

Das Problem beginnt, als ähnliche Vorfälle wie Dominosteine nacheinander auftreten. Die Täter haben alle rötlich-schwarze Ausschläge auf der Haut, ihre Augen sind trüb, und sie massakrieren ihre Familien. Die Häuser der Täter und Opfer befinden sich alle in einem abgelegenen Dorf namens Gokseong, umgeben von Bergen, Wäldern, Regen und Nebel. Während sich eine unerklärliche kollektive Manie ausbreitet, verbreiten sich unter den Dorfbewohnern Gerüchte über einen 'japanischen alten Mann, der im Wald lebt'. Jong-gus Schwiegermutter schnalzt eines Tages mit der Zunge und behauptet aufgeregt, dass der Fremde (Kunimura Jun), der in der Nähe des Dorfes zu leben begonnen hat, ein menschenfressender Dämon sei. Mit den Zeugenaussagen derer, die ihn im Wald gesehen haben, wird dieser mysteriöse Mann allmählich zum Sündenbock für die Angst und den Hass des gesamten Dorfes. Wie die Dorfbewohner von 'The Wicker Man' auf der Suche nach einem Opfer, sehnen sich auch die Bewohner von Gokseong nach einem erklärbaren Bösen.

Was ist die Identität des Dämons, der meine Tochter besessen hat?

Jong-gus Leben bricht völlig zusammen, als diese Angst in sein eigenes Haus eindringt. Seine Tochter Hyo-jin (Kim Hwan-hee) beginnt plötzlich zu fluchen, murmelt unverständliche Worte und entwickelt seltsame Ausschläge und Blutergüsse am Körper. Jong-gu, der seine einst ruhige und gute Tochter plötzlich wie Regan aus 'Der Exorzist' grobe Sprache verwenden und ihr Gesicht sich dunkel verfärben sieht, wird mehr von der Angst als Vater als von seinem Beruf als Polizist überwältigt. Weder der Besuch im Krankenhaus noch Medikamente bringen eine Erklärung. Ein alter Mann im Dorf, der sich mit Zauberei auskennt, erklärt: "Das ist keine menschliche Krankheit", und das ganze Dorf wird allmählich in einen Bereich gedrängt, der sich nicht mit der Sprache der Wissenschaft und Vernunft erklären lässt. Wie 'Hereditary' das Böse zeigt, das eine Familie langsam verschlingt, fängt 'Gokseong' den Prozess des allmählichen Zusammenbruchs des Alltags präzise ein.

An diesem Punkt tritt eine weitere Figur auf. Der Schamane Il-gwang (Hwang Jung-min) aus Seoul betritt Gokseong in auffälliger Kleidung und mit lauter Redeweise. Nachdem er Hyo-jins Zustand auf einen Blick erfasst hat, stellt er fest, dass der Fremde im Wald die Ursache für das Chaos im Dorf ist. Das Ritual, das Il-gwang durchführt, ist eine symbolische Szene des Films. Während Trommeln und Gongs wild ertönen und rote und gelbe Farben den Bildschirm überfluten, wird auf der einen Seite ein Todesfluchritual und auf der anderen Seite das verdächtige Ritual des Fremden in einer Kreuzschnittmontage gezeigt. Wie die Taufmontage in 'Der Pate' oder der Exorzismus-Kampf in 'Constantine' steigern die beiden Rituale, die Zaubersprüche aufeinander abfeuern, allmählich das Tempo und passen sich dem Herzschlag des Publikums an. Diese Szene ist eine Miniatur eines religiösen Krieges, in dem koreanischer Schamanismus, japanischer Shintoismus und christliche Symbole aufeinanderprallen.

Gleichzeitig wandert irgendwo auf dem Bergweg die geheimnisvolle Frau Mu-myeong (Chun Woo-hee) in weißen Kleidern wie ein Geist umher. Mu-myeong erscheint eines Tages plötzlich vor Jong-gus Augen, wirft Steine und hinterlässt seltsame Warnungen. Sie sagt, der Fremde sei ein Dämon und verschlinge Hyo-jins Seele. Doch als Il-gwang wieder auftaucht, erzählt er eine völlig gegensätzliche Geschichte. Mu-myeong sei der wahre Bösewicht, und der Fremde könnte derjenige sein, der versucht, das Böse in Schach zu halten. In einer Situation, in der nicht klar ist, welche Seite die Wahrheit sagt oder ob beide lügen, ist Jong-gu völlig verunsichert. Wie in 'Die üblichen Verdächtigen', wo man sich nicht sicher ist, wer Keyser Söze ist, kann auch das Publikum von 'Gokseong' bis zum Ende nicht sicher sein, wer der wahre Dämon ist.

Jong-gu schwankt endlos zwischen der Sprache der Vernunft als Polizist, dem Instinkt eines Vaters, den Gerüchten und Vorurteilen der Dorfbewohner, den Symbolen des Schamanismus und der Religion. Das Dorf ist längst kein Ort der 'logischen Deduktion' mehr, sondern ein psychologisches Schlachtfeld, auf dem Glaube und Unglaube, Gerüchte und Angst miteinander verwoben sind. Der unbekannte Altar, die Fotos und Habseligkeiten der Opfer, die seltsamen Szenen, die in einer Höhle im Wald beobachtet werden, scheinen alle die Existenz des Dämons zu beweisen, lassen aber auch Raum für andere Interpretationen. Der Film gibt dem Publikum bis zum Schluss keine freundliche Antwort. Welche Seite Jong-gu wählt und welche Konsequenzen diese Wahl hat, bleibt das grausamste Mysterium des Films. Wie 'No Country for Old Men' die Natur des Bösen nicht erklärt, sondern nur betrachtet, hinterlässt auch 'Gokseong' nur Fragen statt Antworten.

 Na Hong-jins 'Geschenkpaket'

So beginnt die Erzählung von 'Gokseong' mit dem sehr typischen Rahmen eines Polizeikrimis und zieht allmählich Bilder an, die dem Volksgrusel, dem religiösen Thriller und dem Zombie-Horror nahekommen. Der durchgehende Humor und die lebensnahen Witze lassen das Publikum zunächst unachtsam werden, aber je weiter der Film fortschreitet, desto mehr wirkt selbst dieser Humor wie ein unheimlicher Schatten des Unheils. Lustig, aber man kann nicht lachen, und je mehr man versucht zu erklären, desto mehr unerklärliche Lücken entstehen in der Geschichte. Ab hier entfaltet sich die eigentliche Ästhetik des Werks.

Wenn man das Werk genauer analysiert, ist das auffälligste Merkmal von 'Gokseong' der Zusammenprall und die Hybridität der Genres. Dieser Film ist ein Krimi-Thriller, der in einem ländlichen Dorf spielt, ein Horrorfilm mit Geistern und Dämonen und gleichzeitig ein großes Glaubensdrama, das koreanische ländliche Landschaften, Volksglauben, Schamanismus und christliche Mythen miteinander verwebt. Regisseur Na Hong-jin lässt diese verschiedenen Genres nicht separat konsumieren, sondern überlagert sie in einem Bild. Wie 'Parasite' Komödie und Thriller in einem Frame vereint, spielt auch 'Gokseong' gleichzeitig mit Humor und Horror. Die plumpen Witze im Polizeirevier, die Gespräche der Dorfältesten in der Kneipe, die Szene, in der ein Priesteranwärter unbeholfen Japanisch dolmetscht, wirken alle wie der Schwerpunkt der Realität. Doch über diesen gewöhnlichen Bildern überlagern sich der regennasse Berg, der schwarze Hund, die blutigen Leichen und das Schamanenritual, und irgendwann kann das Publikum nicht mehr unterscheiden, 'wo die Realität endet und der Albtraum beginnt'. Wie in einem Film von David Lynch verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Halluzination.

Im Kern der Inszenierung steht eine beharrliche Besessenheit von 'Mehrdeutigkeit'. Existiert das Böse, und wenn ja, welches Gesicht hat es? Der Film löst diese Frage bis zum Ende nicht wie eine Grundsatzfrage. Der Fremde wird als der alte Andere der koreanischen Gesellschaft dargestellt, der leicht zum Ziel von Verdacht und Hass wird, weil er Japaner ist. Er streift wie ein Wildtier durch die Wälder, wird in der Nähe von Blut und Leichen gesehen und hat sein Haus voller Talismane und Altäre. Doch in seinem Blick blitzen Angst und Ungerechtigkeit auf, und er zeigt manchmal den Ausdruck eines gejagten Tieres. Im Gegensatz dazu erscheint Mu-myeong in weißen Kleidern und barfuß wie eine heilige Gestalt, aber die Kamera bricht ständig die Gewissheit des Publikums, indem sie sie von oben herab filmt oder ihr Gesicht absichtlich verdeckt. Wie 'Shutter Island' das Vertrauen des Publikums verrät, zerstört auch 'Gokseong' das Vertrauen in den Blick.

 Eine unbekannte Welt, die nur der Regisseur zu kennen scheint

Diese Mehrdeutigkeit ist nicht nur in der Erzählstruktur, sondern auch tief in der Mise-en-Scène und der Kameraführung des Films verwurzelt. Der Bergnebel und das Regenwasser, die Dunkelheit der Nacht und das blaue Licht der Morgendämmerung vermischen sich ständig auf dem Bildschirm. Das Bergdorf wird nicht als 'Landschaft', sondern als 'Gefühl' gefilmt. Jangdokdae, Gewächshäuser, enge Bergwege, alte Polizeistationen und unordentliche ländliche Dorflandschaften sind alle im Detail angeordnet, aber diese vertrauten Bilder verwandeln sich irgendwann in den Hintergrund des Schreckens. Wie 'Signs' eine gewöhnliche Farm in Pennsylvania zur Bühne des Schreckens machte, verwandelt auch 'Gokseong' das koreanische Dorf in das Territorium des Dämons. Auch nach dem Ende des Films wird das Publikum, wenn es an einem regnerischen Tag einen Bergweg entlanggeht, die Nachwirkungen von Gokseong spüren.

Das Sounddesign und die Musik sind ebenfalls Elemente, die 'Gokseong' zu einem Meilenstein des koreanischen Horrorfilms machen. In diesem Film gibt es kaum traditionelle Jump-Scares. Stattdessen übernehmen Tiergeräusche, Regen, Insektengeräusche, das Knacken von Holz und Schreie aus der Ferne die Schichten des Schreckens. Zusammen mit der Musik in der Ritualszene erzeugt dies ein fast tranceartiges Eintauchen. Der Rhythmus wiederholt sich gleichmäßig, aber Klangfarbe und Instrumente ändern sich leicht und nagen an den Nerven des Publikums. Anstatt dass der Schrecken plötzlich zuschlägt, dringt er allmählich in den Körper ein. Wie der Schrecken in 'Midsommar', der im Sonnenlicht stattfindet, entfaltet sich auch das Ritual in 'Gokseong' in hellen Farben als Albtraum.

Auch die Schauspielerleistungen sind nicht zu übersehen. Jong-gu wirkt zu Beginn des Films wie der Inbegriff eines Landpolizisten, der mehr von Langeweile als von Verantwortung getrieben wird. Er erschrickt beim Fotografieren am Tatort, tauscht mit Kollegen fluchende Witze aus und wirkt wie ein 'verwirrter' Vater, der von den Worten des Schamanen beeinflusst wird. Doch je weiter der Film fortschreitet, desto mehr häufen sich Müdigkeit, Angst, Schuld und Zweifel auf Jong-gus Gesicht. Das Publikum fragt sich irgendwann: 'Ist dieser Mann wirklich so unfähig, dass er so zusammenbricht, oder würde jeder in einer solchen Situation so zusammenbrechen?' Diese Frage selbst berührt die Art und Weise, wie dieser Film den Menschen betrachtet. Wie Chief Brody in 'Jaws' ist Jong-gu vor dem Bösen nur ein Vater.

Il-gwangs Präsenz ist eine weitere Achse. Er erscheint zunächst mit einem auffälligen Ritual und selbstbewusster Redeweise und wirkt wie der vertraute Charakter eines 'fähigen Schamanen' für das koreanische Publikum. Doch je tiefer das Ereignis wird, desto mehr zeigt sich, dass auch er nur ein Mensch ist, der in Angst verstrickt ist. Was er wirklich geglaubt hat und wie sicher er sich seiner Worte und Rituale war, bleibt letztlich unklar. Mu-myeong ist eine Figur, die mehr durch Blicke, Gesten und Auftauchzeiten als durch Dialoge in Erinnerung bleibt. Wenn sie erscheint, verdreht sich die Atmosphäre des Bildschirms allmählich. Einmal wie eine Rettung, ein anderes Mal wie ein Unheil. Der Fremde erklärt sich mehr durch Schweigen als durch Worte. Sein Haus, seine Gegenstände, die Richtung, in die er schaut, werfen dem Publikum nur Rätsel auf. Wie Anton Chigurh in 'No Country for Old Men' ist er die Verkörperung des unerklärlichen Bösen.

Ein bemerkenswertes Werk, das nicht nur als 'Horror' abgetan werden kann

Natürlich ist dieser Film nicht für alle Zuschauer ein freundliches Werk. Die Laufzeit ist lang, und die Erzählung unterscheidet sich stark von typischen Hollywood-Horrorfilmen. Für Zuschauer, die ein klares Böses, eine perfekte Antwort und eine befriedigende Katharsis erwarten, mag 'Gokseong' als etwas frustrierend und unfreundlich empfunden werden. Der Abschnitt mit Interpretationskämpfen, Wendungen und Gegenwenden im letzten Teil erfordert Konzentration. Einige Zuschauer könnten den Eindruck haben, dass zu viele Genres vermischt sind und der Film dadurch zerstreut wirkt. Doch wenn man diese Unfreundlichkeit erträgt und bis zur letzten Szene des Films folgt, wird man spüren, dass das Gefühl von 'Horror' mehr ist als nur Erschrecken oder Abscheu. Wie 'Blair Witch Project' unsichtbaren Schrecken schuf, erschafft auch 'Gokseong' einen Schrecken, den man nicht sicher fassen kann.

Für diejenigen, die nach einem Film suchen, der nicht einfach als 'Horrorfilm' kategorisiert werden kann. Ein Werk, das nicht nur erschreckend ist, sondern das man nach dem Anschauen noch Tage lang im Kopf hat, das man Szene für Szene durchkauen und mit eigenen Interpretationen versehen möchte, ist 'Gokseong' das perfekte Material. Wenn Sie experimentellen Horror mögen, der die Grenzen des Genres sprengt, wird die Verwirrung und Unruhe, die Gokseong bietet, eher eine große Freude sein. Wenn Sie 'Twin Peaks' oder die erste Staffel von 'True Detective' lieben, wird auch das Mysterium von 'Gokseong' faszinierend sein.

Wenn Sie im Leben etwas erschöpft sind und die Ereignisse der Welt durch die Nachrichten verfolgen und sich fragen, "Warum passiert so etwas?", wird Jong-gus traurige Rückansicht besonders schmerzhaft in Erinnerung bleiben. Mit einer Familie, für die man verantwortlich ist, einer Welt, die nicht nach Plan verläuft, und einem Maßstab, der immer unklarer wird, zeigt 'Gokseong' auf grausame Weise, welche Entscheidungen ein Mensch treffen kann. In Jong-gu, der ohne perfekte Antwort schwankt, erkennt das Publikum flüchtig sein eigenes Gesicht. Wie Charlie in 'Cable Guy' seine eigene Hilflosigkeit konfrontiert, so begegnet auch Jong-gu seinen Grenzen.

Schließlich, wenn Sie die koreanische Berglandschaft, den traditionellen Glauben und die Volksgruselstimmung auf der Leinwand sehen möchten, ist dieser Film ein Muss. Die Bilder in diesem Film, in dem westliche Dämonen, koreanische Berggeister, Schamanismus und Christentum, Regen, Nebel, Blut und Erde miteinander vermischt sind, sind schwer zu vergessen, wenn man sie einmal gesehen hat. Die Erfahrung, 'Gokseong' zu sehen, ist vielleicht vergleichbar mit dem Betreten eines tiefen Bergweges ohne garantierte Antworten. Der Rückweg wird nicht angenehm sein. Aber wenn man diesen Weg einmal gegangen ist, wird man feststellen, dass nachfolgende Horrorfilme viel einfacher erscheinen. In diesem Sinne ist 'Gokseong' nicht nur ein Horrorfilm, sondern zeigt die Stärke des koreanischen Kinos.

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