
Hangeul ist ein einzigartiges und wissenschaftliches Schriftsystem, das in der Geschichte der Welt keine Parallele findet. Seit seiner Schöpfung durch König Sejong wird es als 'Schrift, die man an einem Vormittag lernen kann' gepriesen, aber die jüngsten Forschungstrends gehen über seine historische Exzellenz hinaus. Insbesondere das 2024 von Professor Hye K. Pae verfasste Buch Analyzing the Korean Alphabet: The Science of Hangul beleuchtet Hangeul aus der Perspektive der modernen Psycholinguistik und Grapholinguistik neu und enthüllt die erstaunlichen Mechanismen, mit denen das menschliche Gehirn Hangeul verarbeitet.
Hangeul, kein einfaches Alphabet, sondern ein 'morphosyllabisches' System
Hangeul einfach als 'Alphabet' zu klassifizieren, erklärt seine strukturellen Eigenschaften nicht vollständig. Professor Pae definiert Hangeul als ein 'morphosyllabisches Alphabet'. Dies bedeutet, dass es die Eigenschaften eines phonemischen Schriftsystems besitzt, aber visuell in syllabischen Einheiten blockweise geschrieben wird und die ursprüngliche Form der Morpheme bewahrt.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Alphabeten wie dem lateinischen Alphabet, bei denen zwischen der Form und dem Klang der Buchstaben nur eine willkürliche Beziehung besteht, ist Hangeul das weltweit einzige featurale Schriftsystem, das die Eigenschaften der Laute visuell durch Hinzufügen von Strichen zu den Konsonanten (ㄱ, ㄴ, ㅁ usw.) darstellt. Die größte Besonderheit ist, dass es nicht in horizontaler Reihenfolge geschrieben wird, sondern in einem quadratischen Raum angeordnet wird, was als 'Blockschreiben' bezeichnet wird. Dies verleiht Hangeul eine zweidimensionale geometrische Struktur, die die Informationsdichte erheblich erhöht.
Visuelle Komplexität erhöht die Leseeffizienz
Die Blockstruktur von Hangeul weist im Vergleich zu den wenigen Strichen des lateinischen Alphabets eine höhere visuelle Komplexität auf. Studien haben jedoch gezeigt, dass diese Komplexität die Leseeffizienz nicht behindert, sondern vielmehr fördert. Dies wird durch die Theorie der 'fovealen Belastung' erklärt. Hangeul präsentiert Informationen komprimiert, wodurch die Anzahl der Sakkaden reduziert wird und mehr Informationen mit einer einzigen Fixation erfasst werden können. Das bedeutet, dass die Informationsdichte pro Flächeneinheit hoch ist, was die Lesegeschwindigkeit erhöht.
Hangeul-Lesen aus der Sicht der Neurowissenschaft: Ein Duett aus Analyse und Intuition
Der kognitive Mechanismus des Hangeul-Lesens ist durch das Nebeneinander von konstituenter Verarbeitung und Gestaltverarbeitung gekennzeichnet.
Konstituente Verarbeitung: Anfängerleser oder beim Lesen unbekannter Wörter dekodieren die Konsonanten und Vokale innerhalb des Blocks einzeln. Die hohe Regelmäßigkeit von Hangeul unterstützt diese bottom-up-Verarbeitung.
Gestaltverarbeitung: Erfahrene Leser erkennen häufig vorkommende Silbenblöcke ganzheitlich als ein Bild. Eine top-down-Verarbeitung ermöglicht den sofortigen Zugang zur Wortbedeutung, ohne die Einzelbuchstaben zu analysieren.
Professor Pae schlägt zur Erklärung das 'Synergistische Modell' vor. Leser verarbeiten visuelle Form, Klang und Bedeutung nicht sequentiell oder parallel, sondern integriert, um eine optimale Leseeffizienz zu erreichen.
Über die Perfektion hinaus: Das Gleichgewicht des 'nahezu optimalen' Systems
Wissenschaftliche Analysen bewerten Hangeul als ein 'nahezu optimales' System. Dies ist das Ergebnis eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen der Einfachheit des Lernens und der Effizienz der Nutzung. Die morphosyllabische Schreibung (z. B. '값이' nicht als '갑시' zu schreiben) hat die Schreibschwierigkeit etwas erhöht, maximiert jedoch die Leseeffizienz, indem sie es dem Leser ermöglicht, die Bedeutung visuell sofort zu erfassen.
In der modernen digitalen Umgebung hat sich die Stellung von Hangeul weiter gestärkt. Eingabemethoden wie das Cheonjiin-System auf mobilen Geräten beweisen, dass das kombinatorische Prinzip von König Sejong perfekt mit den digitalen Schnittstellen des 21. Jahrhunderts übereinstimmt. Hangeul ist nicht nur ein kulturelles Erbe einer Nation, sondern auch das intelligenteste und effizienteste Informationsübertragungssystem, das die Menschheit je entwickelt hat, und ein universelles intellektuelles Gut von hohem neurowissenschaftlichem Forschungswert.

