
[MAGAZINE KAVE=Reporter Seo In-hye] BTS’ Brasilien-Konzerte sind wegen der reduzierten Zahl großer Bildschirme in die Kritik geraten. Die Kontroverse hat eine offizielle Untersuchung der örtlichen Verbraucherschutzbehörden ausgelöst. Während die Zahl der Bildschirme von ursprünglich zwölf auf vier sank und hochpreisige Tickets für bis zu 4.303 Real (VIP) verkauft wurden, steht nun vor allem die Frage im Raum, ob der Veranstalter die Käufer vorab darüber informiert hat.
Bei großen Konzerten gibt es zwei Bühnen: die, die das Publikum tatsächlich sieht, und die, die es sich beim Ticketkauf vorgestellt hat. Je größer die Kluft zwischen diesen beiden Bühnen, desto mehr gerät das Vertrauen in Gefahr – unabhängig davon, wie gelungen die Show ist.
Genau diese Kluft steht nun im Zentrum der Kontroverse um BTS in Brasilien.
BTS tritt am 28., 30. und 31. Oktober im MorumBIS-Stadion in São Paulo im Rahmen der Welttournee „ARIRANG“ auf. Kurz vor dem Auftakt richtet sich die Aufmerksamkeit des Fandoms ARMY jedoch nicht nur auf die neue Setlist oder die Bühnenoutfits, sondern auch auf die großen Bildschirme im Stadion.
Bei früheren Tourauftritten in Korea, den USA, Europa und Mexiko kamen zwölf LED-Bildschirme zum Einsatz. Auf der Südamerika-Tour sind es dagegen vier Bildschirme, die an einer zentralen Konstruktion angebracht sind. Damit ist ihre Zahl auf ein Drittel des bisherigen Umfangs gesunken.
Wer den Kern der Kontroverse jedoch auf einen bloßen Vergleich von „zwölf zu vier“ reduziert, erfasst nur die Hälfte des Problems.
Aus einer auf ein Drittel reduzierten Zahl von Bildschirmen lässt sich nicht automatisch schließen, dass auch der Wert des Konzerts oder die Sichtqualität im selben Verhältnis gesunken ist. Entscheidend für die tatsächlichen Sichtverhältnisse sind unter anderem die Bildschirmfläche, die Montagehöhe, der Blickwinkel, die Auflösung und die Entfernung zu den Plätzen.
Die entscheidende Frage lautet, unter welchen Bedingungen die Fans mit ihrem Ticketkauf gerechnet haben. Und wie genau der Veranstalter die Informationen bereitgestellt hat, auf denen diese Erwartungen beruhten.
518 Beschwerden … Aus dem Ärger des Fandoms wird eine offizielle Untersuchung
Die Kontroverse um das BTS-Konzert in Brasilien begann in Online-Fancommunities, ist inzwischen aber bei den Verbraucherschutzbehörden angekommen.
Das Nationale Verbraucherschutzsekretariat Senacon im brasilianischen Ministerium für Justiz und öffentliche Sicherheit forderte am 22. Oktober den Konzertveranstalter Live Nation Brasil und den Ticketverkäufer Ticketmaster Brasil zu einer offiziellen Stellungnahme auf.
Die Behörden beanstanden nicht allein die Zahl der Bildschirme. Sie wollen prüfen, wann die Bühnenkonstruktion für die Brasilien-Konzerte festgelegt wurde und auf welchem Weg die Ticketkäufer darüber informiert wurden.
Senacon verlangte Unterlagen zu Anzahl, Größe und Position der Bildschirme, zu den technischen und betrieblichen Gründen für die Änderungen an der Konstruktion, zu den Sichtprüfungen für die einzelnen Sitzbereiche, zu den Werbematerialien und Sitzplänen beim Ticketverkauf sowie zu Verbraucherbeschwerden und möglichen Ausgleichsmaßnahmen.
Auch die Verbraucherschutzbehörde des Bundesstaats São Paulo, Procon-SP, wurde aktiv.
Laut lokalen Medien gingen bei Procon-SP von Januar bis zum 21. Oktober dieses Jahres insgesamt 518 Verbraucherbeschwerden zur BTS-Tour ein. 460 davon betrafen die Bühnenkonstruktion. Das entspricht rund 88,8 Prozent aller Beschwerden.
Diese Zahl bedeutet nicht, dass Mängel bei der Veranstaltung oder Gesetzesverstöße nachgewiesen wurden. Sie zeigt jedoch, dass die Konstruktion des Veranstaltungsorts zu einem zentralen Beschwerdepunkt für die Ticketkäufer geworden ist.
Die Bedenken der Fans konzentrieren sich besonders auf die Plätze weit entfernt von der Bühne. In großen Stadien, in denen das Publikum weit von den Künstlern entfernt sitzt, sind LED-Bildschirme nicht bloß Dekoration. Sie sind ein wichtiges Mittel, um Mimik, Choreografie und Kamerainszenierung zu verfolgen.
Je nachdem, wo die Bildschirme angebracht sind, kann das Konzerterlebnis selbst im selben Stadion unterschiedlich ausfallen.
Deshalb verlangen die brasilianischen Behörden Unterlagen zur Sichtanalyse des gesamten Veranstaltungsorts.
Live Nations Erklärung … Wichtiger als die „kleinere Bühne“ ist die Frage: „Wann wurden die Käufer informiert?“
In einer am 26. Oktober veröffentlichten Stellungnahme räumte Live Nation Brasil ein, dass sich die Bühnenkonstruktion der Südamerika-Tour von der in anderen Regionen unterscheidet.
Live Nation erklärte: „Die vier LED-Bildschirme sind auf einem zentralen Turm angebracht und zu den verschiedenen Seiten des Veranstaltungsorts ausgerichtet. Sie wurden so konzipiert, dass sie ein 360-Grad-Konzerterlebnis bieten.“
Als Gründe für die regionalen Unterschiede nannte das Unternehmen logistische und terminliche Einschränkungen. Die Anpassung sei eine betriebliche Entscheidung gewesen, um die Tournee in mehreren südamerikanischen Städten durchführen zu können.
Das Unternehmen erklärte außerdem, die Bühnenkonstruktion für die Brasilien-Konzerte sei bereits auf dem offiziellen Veranstaltungsplan zu sehen gewesen, der zum Start des Ticketverkaufs im April 2026 veröffentlicht wurde.
Diese Erklärung beendet die Debatte nicht, sondern wirft eine neue Frage auf.
Hat der beim Verkauf gezeigte Sitzplan den Konzertbesuchern die tatsächliche Zahl der Bildschirme und die Unterschiede bei den Sichtverhältnissen ausreichend verständlich gemacht?
Dass auf der Ticketseite die Bühnenposition und die Sitzbereiche eingezeichnet waren, bedeutet nicht automatisch, dass die Verbraucher die visuelle Gestaltung des Konzerts genau verstehen konnten.
Anhand eines zweidimensionalen Sitzplans lässt sich nur schwer beurteilen, wie viele große Bildschirme es gibt, wie hoch sie angebracht sind oder von welchen Plätzen aus sie zu sehen sind.
Natürlich entsteht nicht automatisch eine vertragliche Verpflichtung, in Brasilien dieselbe Bühne aufzubauen wie bei BTS-Konzerten in anderen Ländern. Auch die Erwartungen, die Fans anhand von Videos aus dem Ausland entwickelt haben, müssen von den tatsächlich in Brasilien verkauften Konzertbedingungen unterschieden werden.
Die rechtliche Kernfrage lautet daher nicht nur: „Warum wurden weniger Bildschirme verwendet als in anderen Ländern?“
Zu prüfen ist, welche Informationen beim Verkauf bereitgestellt wurden und ob sie die für die Kaufentscheidung wichtigen Aspekte ausreichend erläuterten.
Hier wird eine Frage der Konzertinszenierung zu einer Frage der Verbraucherrechte.
680 Real für einen Platz auf der Tribüne und 4.303 Real für VIP … Der Preis ändert nichts an der Informationspflicht
Die von Ticketmaster Brasil veröffentlichten Ticketpreise unterschieden sich je nach Platzkategorie deutlich.
Zum regulären Preis kosteten Stehplatzkarten im Rangbereich Arquibancada 680 Real, nummerierte Plätze im Oberrang 980 Real, nummerierte Plätze im Unterrang 1.080 Real und Tickets für den Innenraum 1.250 Real.
VIP-Pakete mit Vorteilen wie der Teilnahme am Soundcheck wurden zum regulären Preis von 4.303 Real verkauft. Bei Onlinekäufen kann eine zusätzliche Servicegebühr anfallen.
Die Preisunterschiede sind deutlich. Unabhängig davon, wie viel ein Ticket gekostet hat, sollte jedoch für alle Käufer gelten, dass sie präzise über die wesentlichen Bedingungen des Konzerterlebnisses informiert werden müssen.
Der Fall zeigt vielmehr, dass hochpreisige VIP-Angebote und reguläre Plätze jeweils mit unterschiedlichen Risiken verbunden sein können.
Käufer von Plätzen in Bühnennähe können besonders auf den tatsächlichen Standort und die Wegeführung achten. Wer weiter entfernt sitzt, ist möglicherweise stärker auf Größe und Anordnung der Bildschirme angewiesen, die die Künstler auf der Bühne zeigen.
Deshalb reicht es auch nicht aus, den Wert eines Angebots allein anhand der Zahl der Bildschirme zu vergleichen.
Verglichen werden müssen die tatsächlichen Sichtverhältnisse von den einzelnen Sitzbereichen aus, die visuellen Informationen, die die Bildschirme vermitteln, und die beim Verkauf angegebenen Bedingungen.
Artikel 6 Absatz 3 des brasilianischen Verbraucherschutzgesetzes (CDC) garantiert Verbrauchern das Recht auf angemessene und klare Informationen über die Eigenschaften von Waren und Dienstleistungen.
Wie diese Bestimmung konkret auf das Konzert anzuwenden ist, muss anhand der Untersuchungsergebnisse der Behörden beurteilt werden. Auf Grundlage der bislang veröffentlichten Informationen lässt sich nicht feststellen, dass Live Nation oder Ticketmaster gegen das Verbraucherschutzgesetz verstoßen haben.
Fest steht jedoch, dass das Verhältnis zwischen den technischen Spezifikationen des Konzerts und den den Verbrauchern bereitgestellten Informationen nun offiziell überprüft wird.
Eine weitere Debatte um den Lageplan … Warum tauchten „PIT 1“ und „PIT 2“ auf?
Unabhängig von den Bildschirmen kam bei den Brasilien-Konzerten ein weiterer Streitpunkt rund um den Sitzplan hinzu.
Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats São Paulo (MPSP) forderte eine Stellungnahme zu Hinweisen, wonach der beim Ticketverkauf veröffentlichte Sitzplan vom technischen Lageplan in offiziellen Dokumenten der Stadt abweicht.
Im Mittelpunkt stehen die im technischen Lageplan eingezeichneten Bereiche „PIT 1“ und „PIT 2“.
Der Ausgangspunkt der Kritik: Diese Bereiche waren auf dem den Ticketkäufern gezeigten Sitzplan nicht verzeichnet. Daraus entstand die Sorge, dass zusätzliche Zuschauerbereiche nahe der Bühne die Positionen oder Sichtverhältnisse der bisherigen Käufer beeinträchtigen könnten.
Live Nation erklärte, die PIT-Bereiche würden beim tatsächlichen Konzert nicht eingerichtet und die ursprünglich angekündigte Aufteilung der Bereiche bleibe bestehen.
Die Eintragung der PIT-Bereiche in einem technischen Lageplan allein bedeutet daher nicht, dass diese Bereiche tatsächlich am Veranstaltungsort eingerichtet werden.
Die Staatsanwaltschaft will klären, wie es zu den widersprüchlichen Dokumenten kam und welcher Lageplan letztlich angewendet wird.
Die beiden Kontroversen betreffen unterschiedliche Sachverhalte, haben aber einen gemeinsamen Kern.
Es muss geprüft werden, ob die tatsächliche Gestaltung des Konzerts von der den Käufern beschriebenen Gestaltung abweicht.
Die Globalisierung des K-Pop steht vor neuen Maßstäben
Der weltweite Erfolg von BTS hat gezeigt, dass koreanische Musik über Sprach- und Landesgrenzen hinweg ein riesiges Publikum erreichen kann.
Einen globalen Musikmarkt zu erschließen und in jeder Region der Welt dieselben Produktionsbedingungen umzusetzen, sind jedoch zwei verschiedene Dinge.
Die Veranstaltungsorte unterscheiden sich von Land zu Land. Auch die für Transport und Aufbau der Ausrüstung erforderliche Zeit, Sicherheitsvorschriften, Personalbedarf und Kosten variieren. Unter diesen Bedingungen ist es nicht grundsätzlich ungewöhnlich, dass ein Tourneeproduzent die Bühnenkonstruktion anpasst.
Betriebliche Einschränkungen rechtfertigen jedoch nicht, auf Informationen zu verzichten, die Verbraucher benötigen.
Das Konzert in Brasilien wirft für die globale K-Pop-Branche drei Fragen auf.
Wer entscheidet über regionale Unterschiede bei der Bühnenkonstruktion? Wann und auf welche Weise müssen Veranstalter und Ticketverkäufer die Käufer darüber informieren? Welche Abhilfe steht ihnen offen, wenn das tatsächliche Konzerterlebnis von den vorab gemachten Angaben abweicht?
Die konkreten Entscheidungsprozesse und der Umfang der vertraglichen Verantwortung von BTS’ Agentur HYBE, dem Konzertveranstalter Live Nation und dem Ticketverkäufer Ticketmaster lassen sich anhand der veröffentlichten Informationen nicht abschließend bestimmen. Es wäre auch voreilig, die Verantwortung allein dem Künstler oder einem einzelnen Unternehmen zuzuschreiben.
Eines ist dennoch klar.
Das Publikum internationaler Konzerte beurteilt längst nicht mehr nur die fertige Bühne. Es beginnt auch danach zu fragen, wie das von ihm gekaufte Erlebnis geplant und verkauft wurde.
Die Bühnenpläne, Sichtanalysen und Unterlagen zur damaligen Information der Käufer, die die brasilianischen Behörden angefordert haben, sollen genau diese Fragen beantworten.
Mit dem Beginn des ersten Konzerts am 28. Oktober tritt die Debatte in eine neue Phase. Dann lässt sich überprüfen, wie die Show von den tatsächlichen Sitzplätzen aus aussieht und wie weit die Erklärungen des Veranstalters mit den Erfahrungen des Publikums übereinstimmen.
Unabhängig vom Ergebnis könnte der Fall wichtige Maßstäbe für die globale Konzertbranche setzen.
Die Bühne in Seoul muss nicht zwingend genauso aussehen wie die in São Paulo. Doch das Recht des Publikums, genau zu wissen, welche Bühne es erwartet, darf nicht von Landesgrenzen abhängen.
Wenn die Begeisterung der BTS-Fans die Stadien füllt, muss die Branche darauf mit Vertrauen antworten.

